Mittwoch, 16. Januar 2008

BUCH Kazuo Ishiguro: Was vom Tage übrigblieb


  • Lesedatum: 07.01.2008-11.01.2008
  • Seitenzahl: 287
  • Verlag: btb
  • Sprache: deutsch

Autor
Kazuo Ishiguro wurde 1954 in Nagasaki geboren und kam im Alter von sechs Jahren nach England. Er studierte Anglistik und Philosophie und war eine Zeitlang als Sozialarbeiter tätig. Für seinen Roman "Was vom Tage übrigblieb" wurde ihm 1989 der "Booker Prize" verliehen. Ishiguro erhielt zahlreiche Auszeichnungen; sein Werk wurde in 28 Sprachen übersetzt. Heute lebt Ishiguro mit seiner Familie in London.

Klappentext
Seit mehr als dreißig Jahren dient Stevens als Butler auf Darlington Hall. Er sorgt für einen tadellosen Haushalt und ist die Verschwiegenheit in Person, niemals würde er auch nur ein Wort über die merkwürdigen Vorgänge im Herrenhaus verlieren. So vergehen die Jahre, bis ihn plötzlich die Vergangenheit einholt.

Eine wunderschön-melancholische Liebesgeschichte - verfilmt mit Emma Thompson und Anthony Hopkins.

Meine Meinung
Nachdem ich zum Geburtstag von meiner Mutter "Alles, was wir geben mussten" geschenkt bekam und mir das sehr gut gefallen hat, habe ich nun zu Weihnachten auch noch das bekommen. Wieder hat Ishiguro ein sehr ausgefallenes Thema für seinen Roman gewählt. "Was vom Tage übrigblieb" erschien bereits 1989 im Original unter dem Titel "
The Remains of the Day".

Die Lebensgeschichte, die man eigentlich eher Arbeitsgeschichte nennen müsste, ist ähnlich wie ein Tagebuch aus der Sicht des Butlers Stevens geschrieben. Er beschreibt während einer Reise zu seiner früheren Arbeitskollegin Miss Kenton im Rückblick Vorgänge in dem Herrenhaus unter Lord Darlington und sein Verhältnis zu den anderen Bediensteten.

Das Thema selbst klingt möglicherweise eher uninteressant, doch durch die außergewöhnliche Schreibweise, die immer vorhandene besondere Stimmung (so habe ich es zumindest empfunden) und die eindrucksvollen Charakterisierungen von Miss Kenton, seinem Vater und Lord Darlington wird das Buch zu einem tollen Werk.

Mir ist aufgefallen, dass der Ich-Erzähler Stevens zwar sehr sympathisch schreibt, seine Handlungen jedoch teilweise unverständlich gewesen sind. So erzählt er Anekdoten aus dem Leben seines würdevollen Vaters, auch seinerzeit Butler, als der Vater jedoch stirbt hat er wenig Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Er schiebt es auf die Gäste und die damit verbundene Arbeit für ihn.

Genauso kann er trotz persönlicher Gespräche keine richtige Bindung zu Miss Kenton aufbauen, als diese das Haus verlässt reagiert er gleichgültig. Er lässt keinerlei Gefühle nach außen dringen. Erst zu Ende des Buches wird er etwas persönlicher mit ihr.


Für mich hat dieser Roman wenig mit Liebesgeschichte zu tun, so habe ich das zumindest empfunden. Der Roman beschreibt die innere Gefühlswelt eines Butlers in der Mitte des 20. Jahrhunderts, der absolut loyal gegenüber seinem Lord ist. Über die fragwürden politische Treffen in dem Haus urteilt er nicht. Mr. Stevens philosophiert jedoch gerne über die Würde eines Butlers und seine Definition.

Trotzdem ist es unheimlich interessant geschrieben, Ishiguro wählt seine Worte ganz genau. Das Buch war gut zu lesen, gab an einigen Stellen zu denken und gibt einen guten Einblick in das Leben eines Butlers, das kaum Intimität erlaubt.


Schade, dass in meiner Ausgabe (Falls jemand von euch die gleiche Ausgabe hat: Ist das bei euch auch so?) sehr viele Schreibfehler waren. Immer wieder sind mir falsche Buchstaben und fehlende Satzzeichen aufgefallen.



BEWERTUNG: 4,5 von 5 Punkten
BUCHTIPP! :)

1 Kommentar:

Yvonne hat gesagt…

Ein ganz wunderbares Buch. Ich liebe die Melancholie in Ishiguros Büchern, das Bedauern, das oft zu spät kommt. Und immer wieder der Wunsch, verpasste Chancen doch noch wahrzunehmen.